Mehr Sommer geht nicht mehr. An manchen Tagen gehe ich diesen Weg von dem Ort, in dem ich wohne, nach Herrenberg, um den Blick auf die Schwäbische Alb und die Stiftskirche mit Schlossberg zu genießen. Dort oben läuft jetzt, im August, das Sommernachtskino und es scheint, als ob die Sonnenblumen auf dem Feld vor Kuppingen Teil der Zuschauergemeinde seien. Die Stiftskirche blickt derweil mit der Gelassenheit eines Buddhas in die Landschaft und hat die Wurmlinger Kapelle zwischen Tübingen und Rottenburg im Seitenblick. Die Glucke im Gäu wird sie auch genannt – zu Recht, wie ich meine. Der Aufstieg an der Kirche vorbei zum Schlossberg wird belohnt mit einer phantastischen Aussicht (bis Oktober hat auch das Schlossbergcafé geöffnet). Wer danach noch eine gute halbe Stunde weiter wandert und noch höher hinaus möchte, sieht den Naturpark und die Ausläufer des Schwarzwalds auf dem Schönbuchturm aus der Vogelperspektive.
Unter einem Baum am Wasser zu sitzen ist für mich bei sengender Sonne eine wahre Wohltat. In Überlingen am Bodensee, wo ich im Frühjahr und Herbst gerne mal ein Wochenende verbringe, ist es mir aber momentan zu schwül und zu heiß. Und anscheinend ging es schon der Dichterin Anette von Droste-Hülshoff vor 200 Jahren so, als sie die Sommer in Meersburg, unweit von Überlingen, bei ihrer Schwester und deren Familie verbrachte. Der Blick auf den schneebedeckten Säntis war ihr Trick, um sich abzukühlen (wahrscheinlich war ihr das schwäbische Meer zu warm, oder war Baden zu der damaligen Zeit in ihren Kreisen nicht angesagt). Und so denken wir uns den Konjunktiv in Anettes letzter Strophe vom Sommer einfach weg und tauchen mal ein in das Bild des schneebeckten Säntis als Mentaltrip für einen kühlen Kopf.
Pfingsten in Kloster Kirchberg (Foto: Ursula Kuttler-Merz)
Pfingsten. Blaue und gelbe Lilien, die selbstbewusst und majestätisch die Ruhe des Ortes unterstreichen: In der Anlage des Kloster Kirchberg sind es die blauen und dunkel violetten, an den Weihern unterhalb der Klosteranlage malen die gelben Wasserlilien eine Sommeridylle. Zu hören ist nur das Zirpen der Grillen und Quaken der Frösche. Schöne Rundwege gibt es hier, zwischen Alb und Schwarzwald, und nicht weit am Horizont thront erhaben das alte Preussen-Schloss Hohenzollern, das die Kulisse der Landschaft bestimmt.
Aurorafalter und Wiesenschaumkraut im Wald bei Kloster Kirchberg
Gestern Nacht träumte ich, ich wär ein Schmetterling und flog von Blume zu Blume. Da erwachte ich und siehe: Alles war nur ein Traum. Jetzt weiß ich nicht: Bin ich ein Mensch der träumte, er sei ein Schmetterling, Oder bin ich ein Schmetterling, der träumt, er sei ein Mensch….
Gestern Nachmittag ging ich mit einer Freundin im Wald spazieren. Es war kein Traum, zumindest nicht in der Realität, in der wir leben. Und obwohl es der 1.Mai war, wurden wir anfangs nicht von Wanderern und Waldrandalierern, sondern von kleinen, freundlichen Schmetterlingen begleitet, deren Farbe wie eine leckere Mischung aus Vanille- und Mango-Eis war.
Frühling lässt sein blaues Band Wieder flattern durch die Lüfte Süße, wohlbekannte Düfte Streifen ahnungsvoll das Land…
Die wunderbare Streuobstlandschaft am Schönbuchtrauf zwischen Herrenberg und Tübingen dürfte auch dem schwäbischen Dichter Eduard Mörike bekannt gewesen sein. Es grünt und blüht und sprießt. Blütenzauber in saftigen Wiesen soweit das Auge reicht. Jetzt, im Frühjahr, öffnen sich hier nacheinander die Knospen der Kirsch-, Apfel- und Zwetschgenbäume. Der Panoramaweg zwischen Mönchberg und Kayh hat es mir besonders angetan. Weiterlesen „Blütenzauber im Streuobstparadies“→
Spaziergang von Antratx nach Port d´Antratx während der Mandelblüte
Februar 2019
Mallorca, der Deutschen Lieblingsinsel, war für mich bislang immer mit den üblichen negativen Klischees behaftet, und ich hatte keine Lust, dort Urlaub zu machen. Zumal ich sowieso nicht gerne fliege – nur in Ausnahmefällen. Das letzte Mal 2013 zum Weltsozialforum nach Tunis und jetzt war der Ausnahmefall dieser: eine Freundin schlug mir vor, unsere Geburtstage (beide im Februar) während der Mandelblüte auf Mallorca zu verbringen. Und Mandelblüte hört sich für mich besser an als Ballermann. Weiterlesen „Mandelblüte auf Mallorca“→
Minh hat sich eine Auszeit im Schwarzwald gegönnt und mich für ein Wochenende mitgenommen nach Baiersbronn, wo sie eine kleine Ferienwohnung besitzt. Unter der Woche ist sie von früh bis spät in ihrer Massagepraxis in Herrenberg anzufinden, ihre Spezialität ist die Thai-Massage und Akupunktur. In Baiersbronn tankt sie wieder Kraft beim Ski fahren und wandern. Zusammen sind wir auf dem Genießerpfad zur Wanderhütte Sattelei des renommierten Sterne-Restaurants Bareiss gegangen und haben im Wald am späten Nachmittag eine märchenhafte Atmosphäre vorgefunden. Wie im Bilderbuch ist es hier, Eiszapfen an der Regenrinne einer kleinen Waldhütte und der Schnee glitzert durch die letzten Strahlen der Sonne.
Bei der Rast in der heimeligen und gepflegten Atmosphäre der Wanderhütte genießen wir einen köstlichen Aprikosenkuchen und die Fleischküchle mit Kartoffelsalat – nicht umsonst heißt der Weg dorthin Genießerpfad. Die regionalen Delikatessen hier haben ein Preis-Leistungsverhältnis, das seinesgleichen sucht. Auch unsere Nachbarn aus dem Elsaß kommen gerne für einen Tagesausflug hierher, das französische Paar am Tisch findet aber den Kuchen zu gehaltvoll und hat vorsichtshalber nach Maultaschen und Flammkuchen nur einen bestellt. Minh liebt die regionale schwäbische Küche, obwohl zu Hause eher Gemüse und Reis auf den Tisch kommen.Die TCM-Therapeutin hat vietnamesische und chinesische Wurzeln und kam als 13-jähriges Mädchen nach dem Vietnamkrieg nach Deutschland. Und so fühle ich mich am Tisch einer Schwarzwälder Hütte ganz eingebunden in die weite und nahe Welt und schaue dabei gerne über meinen (Kuchen) Tellerrand hinaus.
Welche Überraschung! Diese Woche war ich auf der CMT, der weltweit größten Publikumsmesse für Tourismus und Freizeit in Stuttgart und durfte prompt einen Gewinn mit nach Hause nehmen. Beim Quiz der DB, das ich jedes Jahr mit Andreas Kegreiß, Vorstandsmitglied von PRO BAHN Baden-Württemberg besuche, habe ich richtig geraten: Acht mal täglich fahren ICE und TGV von Stuttgart, München und Frankfurt nach Paris. Allerdings war mein Gewinn keine Fahrt in die Stadt der Liebe, sondern zwei Tagestickets für das Badeparadies Titisee. Obendrauf gabs auch noch Bahntickets im Wert von 40 Euro. Da Bahnfahren sowieso zu meinem liebsten Fortbewegungsmittel gehört, freue ich mich natürlich besonders darüber. Dieses Jahr möchte ich mal ein paar Tage ins Elsaß fahren und habe mich am französischen Stand gleich mit viel Material, auch für den Freundeskreis, eingedeckt. Weiterlesen „Das neue Jahr startet mit einem Gewinn“→
Bin ich hier (linkes Bild) in Frankreich oder im Schwarzwald? In den Herbstferien habe ich meine Freundin Pascale im Beaujolais Vert, 65 Kilometer südwestlich von Lyon besucht. Der lac des sapins, der See der Tannen und sein Örtchen Cublize waren Ende Oktober komplett eingeschneit. Ein abrupter Wintereinbruch, angekündigt mit alerte orange, einer hohen Unwetterwarnung, 24 Stunden kein Strom, Bäume, die unter der schweren Last des Schnees zusammenbrachen, der Verkehr auf den Straßen ebenso. Am Abend des Schneegestöbers, kurz nach meiner Ankunft, haben wir es uns mit Kerzen im französischen Landhaus gemütlich gemacht und es mit einer c´est la vie Haltung hingenommen. Am nächsten Tag war Schneeschippen und Baumschnitt angesagt. Quelle surprise, welche Überraschung, als das Licht am Abend wieder anging und die Sonne am Nachmittag den Schnee schmelzen ließ (rechtes Bild)! Ich habe mal wieder gemerkt, dass ich hier im Nachbarland viel mehr Geduld für die Unannehmlichkeiten des täglichen Lebens aufbringe und einen Schritt zurücktreten kann.
Blick aus der Porticushalle im Hauptgebäude der Villa Rustica
Unweit der imposanten Burg Hohenzollern, Stammhaus des preussischen Königs- und deutschen Kaiserhauses, gibt es einen anderen sehenswerten geschichtsträchtigen Ort, die Villa Rustica von Hechingen-Stein. Es ist ein römisches Freilichtmuseum aus dem 1. bis 3. Jahrhundert n.Chr., das in den 80er Jahren freigelegt wurde.
Mein Vormittag dort – unter fachkundiger Führung – war ein inspirierender Ausflug in die Geschichte Süddeutschlands, die vor knapp 2000 Jahren in der damaligen Provinz Raetia von den Römern geschrieben wurde. Sumelocenna, heute Rottenburg, ungefähr 15 Kilometer von der Villa Rustica, dem römischen Landgut entfernt, war damals ein wichtiges Verwaltungszentrum Roms und wurde ebenfalls erst vor wenigen Jahrzehnten beim Bau eines Parkhauses entdeckt und freigelegt.
Der Heilige Bezirk der römischen Gutsanlage bei Hechingen-Stein
Dass diese Gutsanlage etwas Besonderes war, lässt der rekonstruierte Tempelbezirk ahnen, wo in zehn Kapellen unterschiedlichen Göttern gehuldigt wurde. Hier durften nicht nur die Bewohnerinnen und Bewohner der Villa Rustica Diana und Concordia, Apollo und Jupiter, sondern auch vorbeiziehende Reisende und Händler beim Gott Mercurius um Beistand bitten.
Was profanere Verrichtungen betrifft, so wurden diese unter dem Motto „Pecunia non olet- Geld stinkt nicht“ öffentlich bei einem freundlichen Salve und anschließenden Schwätzchen getätigt.
Pecunia non olet (Geld stinkt nicht) war das Motto der kostenpflichtigen Toilettenanlage
Die Römer bauten Straßen und Städte, Badeanlagen und Befestigungen und bauten ein Verwaltungswesen auf, das seinesgleichen sucht – bis aus dem Norden nach gut 200 Jahren ein Stamm der Germanen, die Alamannen, einfiel und alles in Schutt und Asche legte. Ich wandere im Geist zurück in diese Zeit und werde nachdenklich: Europa – ein einziger Schmelztiegel von Völkern und Kulturen, die sich gegenseitig befruchtet, aber auch zerstört haben. Das kulturelle Erbe der alten Römer wirkt nach – darauf ein Prosit beim schmackhaften Lieblingswein von Kaiser Augustus auf der Panorama-Terasse des Museums.
Auf der Terasse wird der Römerwein Mulsum angeboten