Schreibschwestern

Weltfrauentag – Schreibschwestern aus aller Damen Länder

Schon in der Antike wusste man um die Kraft des geschriebenen Wortes. Der Akt des Schreibens war dafür bekannt, „die Seele der Menschen zu reinigen“. Schreiben heißt sich selber lesen, meinte die Autorin Cornelia Funke einmal.

Genau dies haben acht Frauen zwischen 22 und 62 Jahren während der Pandemie in der schwäbischen Kleinstadt Herrenberg getan. Sie kommen ursprünglich aus der Türkei, Italien, Rumänien, dem Iran, Vietnam und Schottland. Zwei junge Studierende haben Väter, die aus Marokko und Portugal stammen. Die Frauen leben seit Jahrzehnten in Deutschland oder sind hier geboren, haben in Deutschland studiert oder eine Ausbildung gemacht, arbeiten in ihrem Wunschberuf und haben Kinder, die in Deutschland geboren sind. Und doch: Das Gefühl von Zerrissenheit zwischen zwei Kulturen ist da, und es gab den Verlust von Heimat, der schmerzhaft für sie oder für die Eltern war. Gleichzeitig aber ist der Reichtum zu spüren, den Menschen, die aus zwei stammen, in sich tragen. 

Trauerweg

Die Autorinnen sind im Laufe der monatlichen Workshops stark zusammengewachsen und  nennen sich selbst nun „Schreibschwestern“ . Sie probierten aus, wie es ist, eigene Texte auf Deutsch zu formulieren und darin Gefühle und Beobachtungen auszudrücken: über ihre Identität, über die schönen Momente des Lebens und über das Gefühl der Unsicherheit in der Pandemie. Mit Schreibübungen, die die Form von japanischen Haikus, malaiischen Pantuns oder germanischen Alliterationen hatten, entstanden zauberhafte Sprachminiaturen. Der Herbst, die Winter- und Weihnachtszeit, der Frühling und der Sommer haben die Schreibschwestern mit ihren bunten Eindrücken, die so bunt waren wie sie selbst, durch das Jahr begleitet. Nicht zu vergessen der Internationale Frauentag, der sie inspiriert hat, über sich und die Frauen in der Familie zu schreiben. Es waren zwei außergewöhnliche Jahre, die durch den Lockdown auch – so seltsam es klingen mag – eine sprudelnde Kreativität im schriftlichen Ausdruck gefördert haben.

Elena_Skript_Herbst

Während dieser Zeit konnten sich die Schreibschwestern nicht immer persönlich treffen und haben deshalb auch Zoom-Meetings organisiert, um ihre Texte zu teilen. 

Der Kreisseniorat Böblingen hatte für 2021 einen Schreibwettbewerb zum Thema „Krise bewältigt?!“ ausgerufen. Elena Lenz war mit einem Text über ihre Depression dabei und erhielt dafür einen Preis, ebenso wie Minh Ong, gebürtige Vietnamesin und geflüchtet mit den Boat-People in den 70er Jahren, für ihren Beitrag „Ein schwerer Schritt über den Ozean“.

Gefördert wurde das Ganze von der Integrationsarbeit und dem Gleichstellungsbüro der Stadt Herrenberg. Und wer neugierig geworden ist, kann hier im Leseheft der Schreibschwestern schmökern: 

http://www.herrenberg.de/schreibwerkstatt

Übrigens: Eine Lesung wird es am 19.Mai um 19 Uhr in der Spitalkirche Herrenberg, Tübinger Str.4 geben. Anmeldung unter eb.herrenberg@elkw.de

 

Ahland, Pompele und Bogges

Zwei Ahlande am Rottenburger Marktplatz 2022

Dieses Jahr fand sie wieder statt, die Rottenburger Fasnet, wenn auch sehr verhalten. Angesichts Pandemie und Krieg in der Ukraine wurde entschieden, das Brauchtum mit gebührendem Respekt zu begehen, von ausgelassenen Feierlichkeiten und Narri Narro Rufen aber abzusehen. Fasnet und Freiheit gehören zusammen, meinte der Rottenburger OB Neher bei seiner Ansprache auf dem Marktplatz. Und da der Trubel und die Ablenkung nicht so groß waren wie sonst, konnte ich mir die Figuren der Rottenburger Fasnet mal etwas genauer zu Gemüte führen.

Die fastnächtliche Tradition reicht in Rottenburg bis zurück in den Anfang des 15. Jahrhunderts, sogar noch vor der Zeit, als Gräfin Mechthild und ihr Musenhof in der Stadt residierte. 

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Neugierig bleiben!

Wie schön, der Text über diese Dame! Sie erinnert mich an meine Tante Elli, die 100 Jahre alt geworden ist. Viel Spaß beim Lesen! Ingrid
https://meine-streifzuege.com/2018/03/27/als-ich-weihnachtsfreude-holen-ging/

Wortlicht

Heute ist eine Frau gestorben, an der ich mir ein Beispiel nehmen möchte. Deswegen kommt hier für mich selbst und alle, die es auch lesen wollen, ein kleiner Nachruf auf eine bemerkenswerte Frau, die mit über 95 Jahren über Video-Call mit der Familie telefoniert hat, immer optimistisch in die Zukunft geschaut und in ihrer Freizeit am Tablet Karten gespielt hat.

Manche Menschen hören an einem bestimmten Punkt im Leben einfach auf, neue Dinge zu wagen – sei es einfach der Wille, zu lernen, neue Geräte zu bedienen oder noch weite Reisen an unbekannte Orte zu unternehmen. Und dann gibt es Menschen, die dran bleiben und weiterhin neugierig sind. Die sich einen neuen Freundeskreis schaffen, wenn die alten Freunde inzwischen gestorben sind. Die sich nicht übermäßig über das ärgern, was nicht mehr funktioniert wie früher, sondern sich über das freuen, was sie immer noch erleben dürfen. Die sich auch im hohen…

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NOEL à Mulhouse

Weihnachtsmarkt in Mulhouse 2021 – im Hintergrund das Stoffmuseum

Wie schön, an der Grenze zu Frankreich, genauer gesagt, dem Elsaß zu leben. Mal einen Tag auf einem Weihnachtsmarkt schlendern, der noch dazu für alle offen ist. Einen Glühwein „Bim Hans“ trinken und auf der wunderbar illuminierten Place de la Réunion den Budenzauber mit kunstvoll gestalteten Handwerksartikeln aus der Region genießen.

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Herbstimpressionen

Santina und Elena vor dem Fenster der Weltreligionen auf dem Herrenberger Trauerweg


Die Farben des Herbstes aufnehmen und die Vergänglichkeit spüren auf dem Trauerweg des Herrenberger Waldfriedhofs. Installationen, Texte und der Herbst, der nach und nach seine Farben abgibt: die Schreibschwestern, eine interkulturelle Frauengruppe, lassen sich hier inspirieren. Spiegelungen, Fenster, entwurzelte Bäume, ein begehbares Labyrinth.

Im Jetzt sein – und das Davor und Danach nicht aus den Augen verlieren.

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Zeitreise in die Steinzeit

Pfahlbauten in Unteruhldingen

Wasser, Wind und Wellen, das Spiel der Elemente war für den Menschen der Steinzeit der blanke Kampf ums Überleben. In Unteruhldingen am Bodensee kann auf einem Zeitweg über 10.000 Jahre Geschichte das Leben in der Steinzeit und der späteren Bronzezeit erfahren werden: im ältesten Freilichtmuseum Deutschlands, das vor knapp hundert Jahren aus einer örtlichen Initiative entstanden ist und zum UNESCO Weltkulturerbe zählt.

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Schöne Aussichten in Tübingen

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Blick aus Hölderlins Schreibstube auf den Neckar

Was die Menschen hierzulande schmerzlich vermissen, hat der schwäbische Lyriker Hölderlin 35 Jahre seines Lebens freiwillig getan: unter die Menschen, nach draußen zu gehen, das interessierte ihn nicht. Er zog sich in sein Turmzimmer zurück und skandierte des nachts seine Gedichte bei geöffnetem Fenster Richtung Neckar.
Das aktuelle Tübinger Modell, Cafés, Theater und Museen durch Schnelltest-Pflicht wieder zu öffnen, wäre für Hölderlin uninteressant, suchte er sein wahres Leben doch lieber in den eigenen Innenwelten. Allenfalls die Aussicht auf seinen geliebten Neckar verband ihn mit der Welt: 

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Impressionisten in Stuttgart

Hier darf die impressionistische Malerei freigewischt werden

Wie schön! Die Ausstellung Mit allen Sinnen – Französischer Impressionismus in der Staatsgalerie Stuttgart ist seit dieser Woche wieder geöffnet. Nach vier Monaten Lockdown-Pause dürfen nun die Werke von Manet, Renoir, Monet, Pissarro, Sisley und Degas wieder gezeigt werden. Auch Impressionistinnen sind dabei: Berthe Morisot, der in Paris eine Dauerausstellung im Musée Marmottan gewidmet ist und Mary Cassatt, die eine enge Weggefährtin von Degas war. Das Besondere an dieser Ausstellung ist, dass mehr als die Hälfte der Bilder, nämlich 33 von 60 Exponaten, Bilder aus anonymen Privatsammlungen sind (und übrigens auch nicht fotografiert werden dürfen).

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Krokuszeit in Zavelstein

Krokusblüte in Zavelstein

Zavelstein, die kleinste Stadt Deutschlands, ist wegen ihrer blau blühenden wilden Krokusblüte weithin bekannt. Jetzt im März flanieren in dem kleinen Luftkurort scharenweise Touristen aus nah und fern. Auf dem knapp 4 Kilometer langen Krokusweg genießen sie die ersten Frühlingsstrahlen auf der idyllischen Hochfläche oberhalb Bad Teinachs. Das Krokusblütenmeer auf den Wiesen wird sogar alljährlich in einem wissenschaftlichen Projekt untersucht. Der Zavelsteiner Stadtrat Dr. Karl-Eugen Schroth schätzt in seinem Bericht zur Erhaltung und Förderung des Frühlings-Krokus die Krokusblüten im Naturschutzgebiet 2019 auf 1,57 Millionen Blüten.

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Weltstadt mit Schmerz

Plakat am Münchner Stadtmuseum

Gelockert wird (noch) nicht, auch wenn der Inzidenzwert in München nun bei unter 50 liegt. So hat es Münchens OB Dieter Reiter unmissverständlich klar gemacht. Weltstadt mit Schmerz statt Weltstadt mit Herz. Lieber als die Headlines der Münchner Tageszeitungen, die an jeder Straßenecke prangen, schaue ich mir bei meinem Rundgang vom Sendlinger Tor Richtung Isar die Plakate und Tafeln in der Innenstadt an.

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