Die Welt der Sprache

WorkshopSchreibschwestern Die internationale Gruppe der „Schreibschwestern“ im Herrenberger Klosterhof, Sommer 2021

Schon in der Antike wusste man um die Kraft des geschriebenen Wortes. Der Akt des Schreibens war dafür bekannt, „die Seele der Menschen zu reinigen“. Schreiben heißt sich selber lesen, meinte die Autorin Cornelia Funke einmal.

Genau dies haben acht Frauen zwischen 22 und 62 Jahren während der Pandemie in der schwäbischen Kleinstadt Herrenberg getan. Sie kommen ursprünglich aus der Türkei, Italien, Rumänien, dem Iran, Vietnam und Schottland. Zwei junge Studierende haben Väter, die aus Marokko und Portugal stammen. Die Frauen leben seit Jahrzehnten in Deutschland oder sind hier geboren, haben in Deutschland studiert oder eine Ausbildung gemacht, arbeiten in ihrem Wunschberuf und haben Kinder, die in Deutschland geboren sind. Und doch: Das Gefühl von Zerrissenheit zwischen zwei Kulturen ist da, und es gab den Verlust von Heimat, der schmerzhaft für sie oder für die Eltern war. Gleichzeitig aber ist der Reichtum zu spüren, den Menschen, die aus zwei stammen, in sich tragen.

Interkulturelle Schreibwerkstatt 2020/21

StuttgarterZeitung24.11.20

Quelle: Stuttgarter Zeitung, 24.November 202

Santina Feedback
Feedback einer Teilnehmerin

Die Autorinnen sind im Laufe der monatlichen Workshops stark zusammengewachsen und  nennen sich selbst nun „Schreibschwestern“ . Sie probierten aus, wie es ist, eigene Texte auf Deutsch zu formulieren und darin Gefühle und Beobachtungen auszudrücken: über ihre Identität, über die schönen Momente des Lebens und über das Gefühl der Unsicherheit in der Pandemie. Mit Schreibübungen, die die Form von japanischen Haikus, malaiischen Pantuns oder germanischen Alliterationen hatten, entstanden zauberhafte Sprachminiaturen. Der Herbst, die Winter- und Weihnachtszeit, der Frühling und der Sommer haben die Schreibschwestern mit ihren bunten Eindrücken, die so bunt waren wie sie selbst, durch das Jahr begleitet.

Trauerweg

Nicht zu vergessen der Internationale Frauentag, der sie inspiriert hat, über sich und die Frauen in der Familie zu schreiben. Es waren zwei außergewöhnliche Jahre, die durch den Lockdown auch – so seltsam es klingen mag – eine sprudelnde Kreativität im schriftlichen Ausdruck gefördert haben.

Beim Schreibwettbewerb des Kreisseniorenrats Böblingen 2021 zum Thema „Krise-bewältigt?!“ hat Elena Lenz den Preis des Gäuboten für ihren Beitrag „Wende dein Gesicht der Sonne zu“ erhalten. Sie beschreibt darin ihre Depression.

Der Kurs fand einmal im Monat bis Ende 2021 im Klosterhof Herrenberg oder via Zoom statt. Abschließend wurden die Beiträge der Teilnehmenden in einem Leseheft gewürdigt. Gefördert wurde der Kurs durch die Integrationsarbeit der Stadt Herrenberg im Bereich Sprache und Bildung und dem Gleichstellungsbüro. Am 19.Mai 2022 fand eine Lesung in der Spitalkirche Herrenberg statt.

www.herrenberg.de/schreibwerkstatt

Neue Kurstermine für kreatives Schreiben: 17. und 24.September 2022 von 10 bis 18 Uhr im Kunstatelier von Tilly Neuweiler in Sulz-Bergfelden. Anmeldung und Infos über Kontakt.

Interkulturelle Schreibwerkstatt 2019

Geschichten, die das Leben schreibt 

Beim Abschluss des Runden Tischs der Nationen lauschten rund 40 Zuhörende gespannt den Geschichten von Minh Ong, Fariba Amin und Elena Lenz. Deutsch ist zwar nicht ihre Muttersprache, sie leben und arbeiten aber schon seit Jahrzehnten in Deutschland, haben hier studiert und zum ersten Mal ausprobiert, wie es ist, die eigene Geschichte auf deutsch zu formulieren und darin Gefühle auszudrücken: Gefühle über Heimat und Identität, über schöne Momente des Lebens, über Liebe und Loslassen müssen. Die Texte der drei Frauen entstanden innerhalb der Interkulturellen Schreibwerkstatt, die nun ebenfalls zu Ende gegangen ist. Der Kurs wurde aus dem Projektepool der Stadt Herrenberg gefördert in Kooperation mit dem Evangelischen Jugendwerk Herrenberg und dem Türkischen Arbeitnehmerverein. Geleitet wurde die Schreibwerkstatt von der Sprachdozentin und Journalistin Ingrid Kahlig.

Elena Lenz, die der aromumischen Minderheit in Rumänien angehört, hat neben ihrem Text zwei selbst komponierte Lieder auf englisch und aromunisch vorgetragen. Für ihren Text „Überall und Nirgendwo“ erhielt sie im Oktober einen Preis des Seniorenrats Althengstett, für einen weiteren Text einen Preis der Pforzheimer Stiftung „Mit Herz und Hand“. Ihre Kindheit in Teheran beschreibt Fariba Amin in einem lyrischen Beitrag über Heimat und Familie, der ebenfalls ausgezeichnet wurde. Sie lebt mit ihrem Mann in Herrenberg und ist in drei Kulturen zu Hause: der deutschen, der persischen und der amerikanischen. Ming Ong, gebürtige Vietnamesin und geflüchtet mit den Boat-People in den 70er Jahren, hat für ihren Beitrag „Viele Wege führen ins Leben“ den Sonderpreis des Gäuboten beim Schreibwettbewerb des Kreisseniorenrats Böblingen erhalten. Die Gleichstellungsbeauftragte Birgit Kruckenberg-Link, die den Runden Tisch der Nationen nun mit der Lesung der Preisträgerinnen abschliesst, bedankte sich bei allen Anwesenden für die Projekte, die in den letzten 10 Jahren durchgeführt werden konnten und bat sie, diese nachhaltig weiterzuentwickeln. Wer beim Leseabend nicht dabei war und nun neugierig geworden ist auf die Geschichten der Schreibwerkstatt darf sich freuen: Ein Leseheft, gefördert vom Gleichstellungsbüro, soll es Anfang des Jahres geben.

Quelle: Amtsblatt Herrenberg, 19.12.2019

Lesung4.12.19

Voyage, voyage – Paris et les femmes 

Varda_rue de Rennes

Agnès Varda in der rue de Rennes in Paris – aufgenommen von Sylvie Doinet.
Agnès Varda s´en va – Agnes Varda geht – so könnte das Bild auch umschrieben sein.
Die große Filmemacherin und Pionierin der Nouvelle Vague ist Ende März 2019
im Alter von 90 Jahren in Paris verstorben.

Frauenkulturreise nach Paris
Auf den Spuren großer Frauen fand vom 27. bis 29.09. 2019 eine Frauenkulturreise von engagierten Herrenbergerinnen nach Paris statt: Frauen aus der Kommunalpolitik, dem Gleichstellungsbüro, Wissenschaft und Kultur machten sich auf Spurensuche von Simone de Beauvoir, Agnès Varda und George Sand.

Dr. Anne Schmidt, Wahlfranzösin, Theaterwissenschaftlerin (Le Miroir de l´Autre. Théatre de femmes et Migration) führt mit einem speziell weiblichen Blick durch ihr Viertel und durch Paris:

Künstlerinnnen in Montparnasse

Bei Interesse für 2022 Anmeldung über Kontakt.

ParisGare
Engagierte Herrenberger Frauen vor dem Gare de l´Est in Paris – mit dem TGV nur knapp 4 Stunden ab Stuttgart