Krokuszeit in Zavelstein

Krokusblüte in Zavelstein

Zavelstein, die kleinste Stadt Deutschlands, ist wegen ihrer blau blühenden wilden Krokusblüte weithin bekannt. Jetzt im März flanieren in dem kleinen Luftkurort scharenweise Touristen aus nah und fern. Auf dem knapp 4 Kilometer langen Krokusweg genießen sie die ersten Frühlingsstrahlen auf der idyllischen Hochfläche oberhalb Bad Teinachs. Das Krokusblütenmeer auf den Wiesen wird sogar alljährlich in einem wissenschaftlichen Projekt untersucht. Der Zavelsteiner Stadtrat Dr. Karl-Eugen Schroth schätzt in seinem Bericht zur Erhaltung und Förderung des Frühlings-Krokus die Krokusblüten im Naturschutzgebiet 2019 auf 1,57 Millionen Blüten.

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Rauhnächte und Julmond

Schloss Lichtenstein mit Julmond
Das württembergische Märchenschloss Lichtenstein im Schein des Julmondes

Seit alters her gelten die Tage zwischen Weihnachten und den Heiligen Drei Königen als eine besondere Zeit. Eine Zeit wie herausgefallen aus dem Alltäglichen. Die zwölf heiligen Tage zwischen den Jahren werden auch die Rauhnächte genannt. Eine Zeit der Einkehr, der Stille, während es draußen eisig kalt ist und stürmt und schneit. Die Rauhnächte sind aber auch eine Vorbereitung auf das neue Jahr.

Die Menschen meinten früher, dass Geister, die Perchten, draußen ihr Unwesen trieben. Deshalb saßen sie hinterm warmen Ofen, ruhten sich von den Mühen des vergangenen Jahres aus und lauschten den Märchen und Geschichten der Alten. Gott Wotan soll mit seiner Wilden Jagd unterwegs gewesen sein, über die Felder gefegt und so auch wieder fruchtbaren Boden für das neue Jahr bereitet haben. Vorsichtshalber wurden nach Einbruch der Dunkelheit geweihte Kerzen aufgestellt, um die Wildgewordenen von den Gehöften fernzuhalten. Nach Einbruch der Dunkelheit sollte man möglichst nicht mehr aus dem Haus gehen.

In manchen Regionen werden jedoch heute noch die Maskierten, die diese Geister vertreiben, Perchten genannt. So ist es im Alpenraum Brauch, dass am 6. Januar zum Ende der Rauhnächte junge Männer unter gruselig aussehende Larven (Masken) und zottelige Fellkleidung schlüpfen und durch die Dörfer toben. Überflüssig zu sagen, dass diese alten Bräuche gut zum Pandemiegrusel der Jetztzeit passen.

Auch die Frau Holle aus dem Märchen hat mit den Rauhnächten zu tun und ist eine wahrlich schillernde Gestalt, die Gutes und Böses in sich vereint. Frau Holle wird in der Sagenwelt des Alpenraums auch als Perchta bezeichnet. Sie bestraft Faulheit und Verstöße gegen das Festspeisegebot. Die Bestrafung kann von einfachen Albträumen bis hin zum Aufschlitzen des Bauches reichen.  Auch kann Perchtas Atem töten oder blenden.

Umgekehrt belohnt sie Fleiß und Hilfsbereitschaft. Neben vollen Spulen, goldenen Fäden und Flachsbündeln für Spinnerinnen verschenkt sie auch Münzen, die Mägde in Eimern (vorwiegend am Brunnen) finden. Sie soll aber auch für das Wachstum des Getreides zuständig sein. Brunnen oder Teiche sind auch die Orte, an denen Perchta die noch nicht geborenen Seelen hütet. In diesem Sinne gilt sie auch als Führerin der Schar der ungeborenen und der ungetauft verstorbenen Kinder.

Perchta tritt vor allem in den Rauhnächten auf. Ihr Tag ist vornehmlich der 6. Januar, der Dreikönigstag. Perchta soll in dieser Zeit durch die Lüfte fahren: Ihre Alias Frau Holle schüttelt die Betten…..

Julmond, der Vollmond im Dezember

Auch der letzte Vollmond im Dezember, Julmond genannt, verfügt über besondere Kräfte. Er soll die Menschen in den Rauhnächten auf sich selbst und das neue Jahr einstimmen. Altes und Unangenehmes wird losgelassen, das Neue, Bessere ist noch nicht greifbar, aber im Keim schon vorhanden. Der Julmond wurde deshalb auch Heilmond genannt.

Eine Märchenzeit, eine Art Mondzeit, eine Tor zur Anderswelt sind die Rauhnächte. Besonders auf die Träume soll man in den zwölf Nächten achten. Jede Nacht steht dabei für einen Monat des neuen Jahres. Alternativ können zwölf Wünsche für das neue Jahr auf Zettel geschrieben werden. Dann werden sie verbrannt, als Zeichen des Loslassens.

In den Rauhnächten ruhte früher jede Arbeit. Auch jetzt stehen die Räder wieder still. Es ist eine Zeit des Lauschens, in der die Verbindung zur eigenen Seele und zur Natur in den Vordergrund rückt. Ein alter Volksglaube sagt auch, dass in den heiligen Nächten die Tiere sprechen. Lauschen wir, was der Schneevogel zu sagen hat. Vielleicht singt er auf weiter Flur ein neues Lied, um die Perchten zu vertreiben?

Schneevogel auf der Schwäbischen Alb

Fotos: Erwin Wörner

Quelle:
http://www.wikipedia.org
Vom Zauber der Rauhnächte, Vera Griesbert-Schröder und Franziska Muti, Irisiana Verlag
TV-Tipp über Perchtenbräuche: „Rauhnächte – wilde Jagd und stille Zeit“ – Doku-Fiktion im SWR

Wie die Wintersonnwende zu Weihnachten wurde

Herrenberg im Advent 2020
Herrenberger Marktplatz im Advent 2020

In der Advents- und Weihnachtszeit erstrahlen die Innenstädte, Gärten und Häuserfassaden in einem besonderen Lichterglanz, der auch die Seele erhellen soll. So wie die Tage immer kürzer werden, steigt auch die Freude auf die Weihnachtskerzen unterm Tannenbaum mit leuchtenden Kinderaugen. Klingt kitschig, ist aber eine schöne Tradition. Gerade in diesen harten Zeiten, scheint es, glitzern und leuchten die lichtvollen Installationen in den Städten noch mehr, um der Dunkelheit zu trotzen.

Nun, warum feiern wir eigentlich Weihnachten am 24.Dezember, um die Wintersonnwende herum? Es ist nicht belegt, dass Jesus an diesem Tag im Winter geboren ist. Belegt aber ist, dass das Datum der Wintersonnwende (am 21.oder 22.Dezember) nicht nur in heidnischen Kulten eine Rolle gespielt hat. Nach der längsten Nacht werden die Tage wieder länger und heller. Auch die polytheistischen Römer haben diese Wende im Jahreszeitenzyklus gefeiert: sie huldigten damit dem sol invictus, dem unbesiegbaren Sonnengott.

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Ziegen unter Schäfchenwolken

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Wo hört die Wahrheit auf, wo fängt das Märchen an?

Hoch oben am südlichen Rande des Schönbuchs liegt im Gäu eine Landschaft wie aus dem Paradiesgarten. Wo Ziegen unter Schäfchenwolken weiden, blühen im Frühjahr Kirsch, – Apfel- und Zwetschgenbäume soweit das Auge reicht.  Vögel tirilieren in den Lüften und manch scheues Reh wagt sich in der Dämmerung aus dem Wald und lässt den Blick über das Ammertal schweifen.
Vor einigen hundert Jahren haben in einem Dörflein namens Mönchberg fleißige schwäbische Mönche Wein angebaut, da, wo jetzt die Streuobstbäume am Hang in Blüte stehen. Und weil der Wein von hier so schmackhaft war, ging sein Ruf sogar bis hinauf in den Norden des Landes und wurde dort gerne getrunken.

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In dieser Landschaft wie aus der Zeit gefallen, wähnen sich aufmerksame Wandersleute manchmal in der Grimmschen Märchenwelt:

In jener Zeit also, als die Mönche in Mönchberg noch Wein kultivierten, machte sich an einem Tag im sprießenden Frühjahr ein Mädchen auf den Weg in den Wald. Es trug über seinem Arm ein Körbchen mit schwäbischem Hefezopf und dem fruchtigen Wein dieser Gegend. Das arme Kind hatte seine Eltern früh verloren und wollte nach langer Zeit wieder einmal die gute Großmutter in ihrer Hütte im Buchenwald besuchen. Man muss nämlich wissen, zu jener Zeit wütete die Pest in allen Landen und die Großmutter, eine weise und heilkundige Frau, hatte sich schon lange in den Wald zurückgezogen, um aus Kräutern, Blüten und Beeren Arzneien herzustellen.

So ging das Mädchen dahin und machte kurz vor dem Wald Rast, um ein paar Blumen auf der Wiese zu pflücken. Als es so viel zusammen hatte, dass es keine mehr tragen konnte, naschte es ein bisschen vom Kuchen und probierte vom himmlischen Tropfen. Dann fiel ihm die Großmutter wieder ein, und es machte sich leichten Fußes auf den Weg zu ihr.

Liebe Leserin, lieber Leser, wie würdest du das Märchen weiterschreiben?

Das Ende sei schon verraten: Wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute….

Wiese

Thermenfreuden unter Tannen

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Therme Bad Teinach Januar 2020

Für mich gibt es nichts Schöneres, als im neuen Jahr in das heilende Wasser einer Schwarzwaldtherme einzutauchen und dabei draußen die frische Tannenluft zu genießen. Baden-Württemberg, so war jetzt auf der CMT, der weltweit größten Touristikmesse in Stuttgart zu hören, ist das Bäderland Nummer eins.

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Sommeridylle in Kloster Kirchberg

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Pfingsten in Kloster Kirchberg (Foto: Ursula Kuttler-Merz)

Pfingsten. Blaue und gelbe Lilien, die selbstbewusst und majestätisch die Ruhe des Ortes unterstreichen: In der Anlage des Kloster Kirchberg sind es die blauen und dunkel violetten, an den Weihern unterhalb der Klosteranlage malen die gelben Wasserlilien eine Sommeridylle. Zu hören ist nur das Zirpen der Grillen und Quaken der Frösche. Schöne Rundwege gibt es hier, zwischen Alb und Schwarzwald, und nicht weit am Horizont thront erhaben das alte Preussen-Schloss Hohenzollern, das die Kulisse der Landschaft bestimmt.

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