Lilien auf dem Felde

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Nehmet wahr der Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch aber, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht ist bekleidet gewesen als deren eines. (Evangelium nach Matthäus)

Auch wenn ich keineswegs bibelfest geschweige denn bibeltreu bin, möchte ich nach dem neuen noch das alte Testament bemühen: ich wähne mich hier wahrlich im Paradiesgarten. Oder wie der französische Philosoph Voltaire meinte: Das Paradies ist da, wo ich bin. Ich fühle mich dabei auch ein bisschen wie so eine Lilie. Einfach nur sein, nichts tun müssen. Am sonnenbeschienenen Südhang des Schönbuchs zwischen Herrenberg und Kayh blühen sie, diese Lilien auf dem Felde, wilde dunkelviolette Schwertlilien und ich blühe innerlich auf mit ihnen. Lilien, wie sie selten zu sehen sind, während in der Ferne das Gelb der Rapsfelder leuchtet.

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Die Lilie gilt als die Königin unter den Blumen. Schon die alten Römer und Ägypter schätzten sie wegen ihrer Heilkraft und Schönheit und im minoischen Kreta ist sie auf Jahrtausende alten Fresken zu sehen. Kulturgeschichtlich findet man die Schwertlilie (fleur-delys) im Wappen des französischen Königsgeschlecht der Bourbonen. Eleganz, Würde und Weisheit strahlt sie hier aus.

Als weiße Lilie taucht sie seit dem 14.Jahrhundert in Gemälden als Mariensymbol auf und versinnbildlicht als Madonnenlilie Reinheit, Liebe und ewiges Leben.

Gut zu wissen ist auch, dass sibirische Schwertlilien in Baden-Württemberg als stark gefährdet gelten und geschützt sind. Außerhalb der großflächigen Schutzgebiete am Bodensee sind die Bestände besonders gefährdet, denn Entwässerung von Wiesen und Mooren, sowie Straßen- und Siedlungsbau führten vielerorts zum Verschwinden der blauen Schwertlilie. (Quelle: nabu.de)

Wie schön, dass iris sibirica hier eine Heimat gefunden hat und immer wieder blühen darf….

 

Blütenträume in Nachbars Garten

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Eigentlich wäre heute, am 23. April die Eröffnung gewesen: Die Landesgartenschau in Überlingen am schönen Bodensee wird verschoben. Nun haben die neu gepflanzten Blumen und Bäume, das Schilf und die Stauden ein Jahr Zeit weiter zu wachsen und
werden ihre Fülle am 9. April 2021 dem Publikum in noch größerer Pracht präsentieren. Einstweilen begnügen wir uns mit den Blüten in Nachbars Garten und am Wegesrand. Und finden vielleicht Trost in dieser Rilke-Strophe:
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Ziegen unter Schäfchenwolken

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Wo hört die Wahrheit auf, wo fängt das Märchen an?

Hoch oben am südlichen Rande des Schönbuchs liegt im Gäu eine Landschaft wie aus dem Paradiesgarten. Wo Ziegen unter Schäfchenwolken weiden, blühen im Frühjahr Kirsch, – Apfel- und Zwetschgenbäume soweit das Auge reicht.  Vögel tirilieren in den Lüften und manch scheues Reh wagt sich in der Dämmerung aus dem Wald und lässt den Blick über das Ammertal schweifen.

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Sonnenaufgang, Soleil levant

Sonnenaufgang 2020 auf der A 81, Sonnenaufgang 1872 an der Seine. Fast 150 Jahre liegen zwischen der Fotografie vom Gründonnerstag und dem Bild von Claude Monet. Die Sonne ist dieselbe.
Wie sich die Bilder ähneln: ein roter Feuerball, gerade über der Horizontlinie aufgegangen, der Himmel im bläulichen Dunst, der in ein gelbliches Orange übergeht. In den Rücklichtern der Autos scheint sich die Sonne zu vervielfachen, wie sie sich im Wasser der Seine spiegelt.

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Noli me tangere auf dem Skulpturenpfad

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Stiftskirche Herrenberg – Blick vom Skulpturenpfad

Was tun, wenn die Türen von Ausstellungen geschlossen sind und auch andere kulturelle Inputs in weiter Ferne?
Beim Spazierengehen habe ich mir deshalb wieder mal den Jerg Ratgeb Skulpturenpfad vorgenommen, der vom Herrenberger Bahnhof bis zum Schlossberg hochführt, ein Freiluftmuseum also. Wie schön, dass Kunst auf diese Weise schweren Zeiten trotzt.
Jerg Ratgeb war ein Maler und wichtiger Anführer der aufständischen Bauern in Süddeutschland und hat zu Zeiten Albrecht Dürers gelebt. 1526 wurde er, gut vierzigjährig, durch die damals übliche Foltermethode der Vierteilung hingerichtet.

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Mußestunden am Neckar mit Rottenburger Köpfen

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Haus am Nepomuk im Dezember 2019

Der Heilige Sankt Nepomuk wacht in Rottenburg seit der Barockzeit über dem Neckar und hat nun Unterstützung von 24 Kindern bekommen, die sich nach und nach den Passanten präsentieren. Bekannt ist das Haus am Nepomuk für seinen gleichnamigen Verlag, und der Verleger Ernst Heimes hat es mit Unterstützung eines jungen Medientechnikers zu einem Adventshaus mit strahlenden Kinderaugen umgestaltet. In diesen Dezembertagen präsentiert der Verlag nun auch seinen zweiten reich bebilderten Band mit dem Titel Geschichten aus dem alten Rottenburg, in dem die Autorin Ursula Kuttler-Merz eine große Auswahl ihrer Schwäbischen Tagblatt-Geschichten zusammengestellt hat. Weiterlesen „Mußestunden am Neckar mit Rottenburger Köpfen“

Auf Spurensuche: Künstlerinnen in Montparnasse

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Friedhof Montparnasse – am Grab von Agnès Varda

Création, inspiration et partage war das Motto der großen Filmemacherin und Fotografin Agnès Varda: Kreation, Inspiration und Teilen. Inspiriert war sie bis zu ihrem Tod im März diesen Jahres, die „Großmutter der Nouvelle Vague“, wie sie auch genannt wurde (sie selbst sah sich eher als Visual-Art-Künstlerin). Agnès Varda war eine der Schlüsselfiguren des modernen Films und erhielt 2017 den Ehrenoscar für ihr Lebenswerk. Im Februar war sie noch auf der Berlinale und Ende März ist sie, 90-jährig, für immer gegangen.  Weiterlesen „Auf Spurensuche: Künstlerinnen in Montparnasse“

Der Weg ist das Ziel: durch den Schönbuch nach Bebenhausen

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Nach einer ziemlich langen Zugfahrt quer durch Deutschland nach Hause habe ich beschlossen, am nächsten Morgen zu einer ausgedehnten Wanderung in den Naturpark Schönbuch zu starten, um meinen Gehapparat wieder in Schwung zu bringen. Nie wäre mir in  den Sinn gekommen, mich einer wie auch immer gearteten Wandervereinsgruppe anzuschließen mit dem Ziel, 23 Kilometer nach Bebenhausen bei Tübingen zu wandern. Aber eigentlich war auch nicht das Ziel in meinem Kopf. Eher der Weg als Ziel und vielleicht, so dachte ich, mache ich doch alles anders als geplant. Kein Druck, immer mit der Idee der spontanen Entscheidungsfreiheit. In meinem eigenen Rhythmus, mal schlendern, mal schneller, aber nie im Walking-Stechschritt, mal hie und da im schönen Goldersbachtal verweilen, mir die Schilder in die verschiedenen Richtungen zu Gemüte führen, das würde  mich ganz offen an eine so lange Strecke herangehen lassen. Ja, die Wegschilder in die verschiedenen Richtungen würden mir die Freiheit geben, vielleicht doch lieber einen Haken in eine andere Richtung zu schlagen. Wie der Hase, den ich im Frühjahr auf der Dachteler Heide durch eine gelbe Löwenzahnwiese springen sah.

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