Schöne Aussichten in Tübingen

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Blick aus Hölderlins Schreibstube auf den Neckar

Was die Menschen hierzulande schmerzlich vermissen, hat der schwäbische Lyriker Hölderlin 35 Jahre seines Lebens freiwillig getan: unter die Menschen, nach draußen zu gehen, das interessierte ihn nicht. Er zog sich in sein Turmzimmer zurück und skandierte des nachts seine Gedichte bei geöffnetem Fenster Richtung Neckar.
Das aktuelle Tübinger Modell, Cafés, Theater und Museen durch Schnelltest-Pflicht wieder zu öffnen, wäre für Hölderlin uninteressant, suchte er sein wahres Leben doch lieber in den eigenen Innenwelten. Allenfalls die Aussicht auf seinen geliebten Neckar verband ihn mit der Welt: 

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Impressionisten in Stuttgart

Hier darf die impressionistische Malerei freigewischt werden

Wie schön! Die Ausstellung Mit allen Sinnen – Französischer Impressionismus in der Staatsgalerie Stuttgart ist seit dieser Woche wieder geöffnet. Nach vier Monaten Lockdown-Pause dürfen nun die Werke von Manet, Renoir, Monet, Pissarro, Sisley und Degas wieder gezeigt werden. Auch Impressionistinnen sind dabei: Berthe Morisot, der in Paris eine Dauerausstellung im Musée Marmottan gewidmet ist und Mary Cassatt, die eine enge Weggefährtin von Degas war. Das Besondere an dieser Ausstellung ist, dass mehr als die Hälfte der Bilder, nämlich 33 von 60 Exponaten, Bilder aus anonymen Privatsammlungen sind (und übrigens auch nicht fotografiert werden dürfen).

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Krokuszeit in Zavelstein

Krokusblüte in Zavelstein

Zavelstein, die kleinste Stadt Deutschlands, ist wegen ihrer blau blühenden wilden Krokusblüte weithin bekannt. Jetzt im März flanieren in dem kleinen Luftkurort scharenweise Touristen aus nah und fern. Auf dem knapp 4 Kilometer langen Krokusweg genießen sie die ersten Frühlingsstrahlen auf der idyllischen Hochfläche oberhalb Bad Teinachs. Das Krokusblütenmeer auf den Wiesen wird sogar alljährlich in einem wissenschaftlichen Projekt untersucht. Der Zavelsteiner Stadtrat Dr. Karl-Eugen Schroth schätzt in seinem Bericht zur Erhaltung und Förderung des Frühlings-Krokus die Krokusblüten im Naturschutzgebiet 2019 auf 1,57 Millionen Blüten.

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Weltstadt mit Schmerz

Plakat am Münchner Stadtmuseum

Gelockert wird (noch) nicht, auch wenn der Inzidenzwert in München nun bei unter 50 liegt. So hat es Münchens OB Dieter Reiter unmissverständlich klar gemacht. Weltstadt mit Schmerz statt Weltstadt mit Herz. Lieber als die Headlines der Münchner Tageszeitungen, die an jeder Straßenecke prangen, schaue ich mir bei meinem Rundgang vom Sendlinger Tor Richtung Isar die Plakate und Tafeln in der Innenstadt an.

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Warten auf Godot

Eingangsbereich der Staatsgalerie Stuttgart, Oktober 2020

25. Januar 2021

Heute habe ich im Radio gehört, dass italienische Museen in den sogenannten gelben Zonen ab sofort wieder öffnen dürfen. Sehnsuchtsvoll warte ich nun darauf, dass auch hierzulande ein Museumsbesuch bald wieder möglich ist. Tübingen, Münster oder Rostock wären doch schon ein Anfang, das sind ja quasi gelbe Zonen. Gelb ist ja auch die Farbe der Lebenskraft und der Heilung, zumindest für mich. Überstreichen wir unsere trüben Gedanken mit gelb!

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Rauhnächte und Julmond

Schloss Lichtenstein mit Julmond
Das württembergische Märchenschloss Lichtenstein im Schein des Julmondes

Seit alters her gelten die Tage zwischen Weihnachten und den Heiligen Drei Königen als eine besondere Zeit. Eine Zeit wie herausgefallen aus dem Alltäglichen. Die zwölf heiligen Tage zwischen den Jahren werden auch die Rauhnächte genannt. Eine Zeit der Einkehr, der Stille, während es draußen eisig kalt ist und stürmt und schneit. Die Rauhnächte sind aber auch eine Vorbereitung auf das neue Jahr.

Die Menschen meinten früher, dass Geister, die Perchten, draußen ihr Unwesen trieben. Deshalb saßen sie hinterm warmen Ofen, ruhten sich von den Mühen des vergangenen Jahres aus und lauschten den Märchen und Geschichten der Alten. Gott Wotan soll mit seiner Wilden Jagd unterwegs gewesen sein, über die Felder gefegt und so auch wieder fruchtbaren Boden für das neue Jahr bereitet haben. Vorsichtshalber wurden nach Einbruch der Dunkelheit geweihte Kerzen aufgestellt, um die Wildgewordenen von den Gehöften fernzuhalten. Nach Einbruch der Dunkelheit sollte man möglichst nicht mehr aus dem Haus gehen.

In manchen Regionen werden jedoch heute noch die Maskierten, die diese Geister vertreiben, Perchten genannt. So ist es im Alpenraum Brauch, dass am 6. Januar zum Ende der Rauhnächte junge Männer unter gruselig aussehende Larven (Masken) und zottelige Fellkleidung schlüpfen und durch die Dörfer toben. Überflüssig zu sagen, dass diese alten Bräuche gut zum Pandemiegrusel der Jetztzeit passen.

Auch die Frau Holle aus dem Märchen hat mit den Rauhnächten zu tun und ist eine wahrlich schillernde Gestalt, die Gutes und Böses in sich vereint. Frau Holle wird in der Sagenwelt des Alpenraums auch als Perchta bezeichnet. Sie bestraft Faulheit und Verstöße gegen das Festspeisegebot. Die Bestrafung kann von einfachen Albträumen bis hin zum Aufschlitzen des Bauches reichen.  Auch kann Perchtas Atem töten oder blenden.

Umgekehrt belohnt sie Fleiß und Hilfsbereitschaft. Neben vollen Spulen, goldenen Fäden und Flachsbündeln für Spinnerinnen verschenkt sie auch Münzen, die Mägde in Eimern (vorwiegend am Brunnen) finden. Sie soll aber auch für das Wachstum des Getreides zuständig sein. Brunnen oder Teiche sind auch die Orte, an denen Perchta die noch nicht geborenen Seelen hütet. In diesem Sinne gilt sie auch als Führerin der Schar der ungeborenen und der ungetauft verstorbenen Kinder.

Perchta tritt vor allem in den Rauhnächten auf. Ihr Tag ist vornehmlich der 6. Januar, der Dreikönigstag. Perchta soll in dieser Zeit durch die Lüfte fahren: Ihre Alias Frau Holle schüttelt die Betten…..

Julmond, der Vollmond im Dezember

Auch der letzte Vollmond im Dezember, Julmond genannt, verfügt über besondere Kräfte. Er soll die Menschen in den Rauhnächten auf sich selbst und das neue Jahr einstimmen. Altes und Unangenehmes wird losgelassen, das Neue, Bessere ist noch nicht greifbar, aber im Keim schon vorhanden. Der Julmond wurde deshalb auch Heilmond genannt.

Eine Märchenzeit, eine Art Mondzeit, eine Tor zur Anderswelt sind die Rauhnächte. Besonders auf die Träume soll man in den zwölf Nächten achten. Jede Nacht steht dabei für einen Monat des neuen Jahres. Alternativ können zwölf Wünsche für das neue Jahr auf Zettel geschrieben werden. Dann werden sie verbrannt, als Zeichen des Loslassens.

In den Rauhnächten ruhte früher jede Arbeit. Auch jetzt stehen die Räder wieder still. Es ist eine Zeit des Lauschens, in der die Verbindung zur eigenen Seele und zur Natur in den Vordergrund rückt. Ein alter Volksglaube sagt auch, dass in den heiligen Nächten die Tiere sprechen. Lauschen wir, was der Schneevogel zu sagen hat. Vielleicht singt er auf weiter Flur ein neues Lied, um die Perchten zu vertreiben?

Schneevogel auf der Schwäbischen Alb

Fotos: Erwin Wörner

Quelle:
http://www.wikipedia.org
Vom Zauber der Rauhnächte, Vera Griesbert-Schröder und Franziska Muti, Irisiana Verlag
TV-Tipp über Perchtenbräuche: „Rauhnächte – wilde Jagd und stille Zeit“ – Doku-Fiktion im SWR

Wie die Wintersonnwende zu Weihnachten wurde

Herrenberg im Advent 2020
Herrenberger Marktplatz im Advent 2020

In der Advents- und Weihnachtszeit erstrahlen die Innenstädte, Gärten und Häuserfassaden in einem besonderen Lichterglanz, der auch die Seele erhellen soll. So wie die Tage immer kürzer werden, steigt auch die Freude auf die Weihnachtskerzen unterm Tannenbaum mit leuchtenden Kinderaugen. Klingt kitschig, ist aber eine schöne Tradition. Gerade in diesen harten Zeiten, scheint es, glitzern und leuchten die lichtvollen Installationen in den Städten noch mehr, um der Dunkelheit zu trotzen.

Nun, warum feiern wir eigentlich Weihnachten am 24.Dezember, um die Wintersonnwende herum? Es ist nicht belegt, dass Jesus an diesem Tag im Winter geboren ist. Belegt aber ist, dass das Datum der Wintersonnwende (am 21.oder 22.Dezember) nicht nur in heidnischen Kulten eine Rolle gespielt hat. Nach der längsten Nacht werden die Tage wieder länger und heller. Auch die polytheistischen Römer haben diese Wende im Jahreszeitenzyklus gefeiert: sie huldigten damit dem sol invictus, dem unbesiegbaren Sonnengott.

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Dezember am Neckar

Foto: Ursula Kuttler-Merz

Ach, was kann man an Adventswochenenden in diesem verflixten Jahr machen, wenn man das Gefühl hat, nichts geht voran? Spazierengehen zum Beispiel. An der Porta Suebica in Rottenburg steht ein schönes altes Fachwerk-Industriedenkmal am Neckar, ehemals Mühle und Asbestfabrik, das in den 80er Jahren zum Wasserschlössle mit 18 Wohnungen mutiert ist. Der Neckar, der hier das Revier von Schwänen, Bibern und Haubentauchern ist, lädt zu jeder Jahreszeit zum Verweilen und Schlendern ein. Er ist Teil der Stadtlandschaft, und weil gerade Hölderlin-Jahr ist, möchte ich bei der Gelegenheit eine Strophe der Ode an den Neckar zitieren:

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Gesund im Wald

Sankenbachsee im Nordschwarzwald

Waldbaden ist seit Jahren schon in aller Munde. Man muss aber nicht shinrin yoku, den Trend aus Japan und Korea bemühen, denn in Deutschland ist der Wald tief im kollektiven Bewusstsein verankert: das menschliche Dasein hat seinen Ursprung in den Wäldern, seit den Gebrüdern Grimm spielen fast alle Märchen im Wald, der Wald ist Metapher und Sehnsuchtsort. Es gibt viele Publikationen zum Thema Wald, Waldbaden und dem geheimen Leben der Bäume, nun ist der Wald auch in der Medizin, genauer: der naturheilkundlichen Medizin angekommen.
Immer mehr waldtherapeutische Ansätze (shinrin-ryoho) gibt es in Deutschland, wie auf dem naturheilkundlichen Ärzte-Kongress ZAEN in Freudenstadt mit dem Schwerpunkt Waldgesundheit zu erfahren war. Beim Thema Waldtherapie geht es im Gegensatz zum Waldbaden darum, Menschen, die psychisch oder physisch erkrankt sind, Genesung im Wald zu ermöglichen.

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