Ahland, Pompele und Bogges

Zwei Ahlande am Rottenburger Marktplatz 2022

Dieses Jahr fand sie wieder statt, die Rottenburger Fasnet, wenn auch sehr verhalten. Angesichts Pandemie und Krieg in der Ukraine wurde entschieden, das Brauchtum mit gebührendem Respekt zu begehen, von ausgelassenen Feierlichkeiten und Narri Narro Rufen aber abzusehen. Fasnet und Freiheit gehören zusammen, meinte der Rottenburger OB Neher bei seiner Ansprache auf dem Marktplatz. Und da der Trubel und die Ablenkung nicht so groß waren wie sonst, konnte ich mir die Figuren der Rottenburger Fasnet mal etwas genauer zu Gemüte führen.

Die fastnächtliche Tradition reicht in Rottenburg bis zurück in den Anfang des 15. Jahrhunderts, sogar noch vor der Zeit, als Gräfin Mechthild und ihr Musenhof in der Stadt residierte. 

Rottenburg dürfte wohl die einzige Narrenstadt sein, die während ihrer tollen Fasnetstage von einer Frau regiert wird. In ihr feiert die Gräfin Mechthild (Mechthild von der Pfalz), die einstige Regentin Österreichs im Rottenburger Land (1454–1483), für kurze Zeit Wiederkehr. Die Adelige aus Österreich hielt dazumal in Rottenburg „große Höf und köstliche Vasnachten“, wie es in der Zimmerschen Chronik vom Ende des 16. Jahrhunderts heißt, „dabei einstmals ein groß Rennen und Stechen auf dem Markt“

Heutzutage verkündet die Gräfin Mechthild am „Schmotzigen Dausteg“, verkörpert durch eine Rottenburger Bürgerin, vom Balkon des Rottenburger Rathauses ihren Untertanen, dass die Fasnet eröffnet sei. Dem Hofnarr „Halberdrein“ übergibt sie die Schlüssel der Stadt als Symbol. Von da an regiert in Rottenburg die Narretei bis Aschermittwoch.

Gräfin Mechthild, die Regentin der Rottenburger Fasnet im Gespräch mit Ahlanden

Der Ahland, eine Teufelsgestalt, ist in Rottenburg die Hauptfigur der Fasnet: ein klassischer Weissnarr mit kunstvoll gearbeiteter Lindenholzmaske, Lammfellhaube und bis zu sechs Glockensträngen. Der Ahlandtanz ist ein imposanter Schautanz, der in der schwäbisch-alemannischen Fasnet einmalig ist. Über die Herkunft des Wortes wird nach wie vor spekuliert. Ursprünglich war es in Rottenburg eine „vermummte Person an der Fastnacht, namentlich ein maskiertes Kind“, „Aland gehen“ stand für „vermummt gehen“. Dann gibt es die Erklärung, dass der Fisch Aland an Aschermittwoch eine besondere Delikatesse war. Eine andere Möglichkeit wäre, dass sich die Rottenburger in alantleder (‚mit Alaun gegerbtes Leder‘) hüllten und der Name des Stoffes auf die den Stoff tragenden Personen überging. Oder vielleicht dies: Die Heilpflanze Echter Alant galt im Volksglauben als dämonenabwehrende Pflanze; als Amulett um den Hals getragen sollte sie vor Behexen schützen.

Bogges mit Rottenburger Stadthexe (rechts) und Hofdame Mechthilds (links) Foto: Erwin Wörner

Sie sind weder „Weiß-Clowns“ noch „Circus-Clowns“. Die Laufnarren der Zunft suchen und finden ihre Tradition in der Figur von Gräfin Mechthilds frivolem Ofenheizer Halberdrein. Dieser Hofnarr unterhielt nicht nur den Hof, sondern auch die Bürgerinnen und Bürger auf dem Marktplatz. In Rottenburg sind diese Narren auch unter dem Namen „Bogges“ bekannt.

Vom neckischen Bogges zum gruselig-zotteligen Pompele. Als Vorlage für seine aus Lindenholz

Verschaufpause fürs Pompele

geschnitzte Holzmaske diente eine Renaissance-Steinmaske, die bei Bauarbeiten gefunden wurde. Das „Pompele“ unterscheidet sich vom Ahland durch die Grundfarbe im Häs und durch ausgeprägtere Gesichtszüge, feine Verzierungen und vor allem durch die Widderhörner an der Maske. Als Larvenhaube tragen die „Pompele“ ein schwarzes Lammfell, Kittel und Hose bestehen aus braunem, fellartigen Stoff. Neben seinen schellenden Bronzeglocken am Häs trägt das Pompele in der Hand den „Klöpfer“, einen geschlossenen Resonanzkasten mit innenliegendem Pleuel und grünem Handgriff.

Neben Ahland, Pompele, Bogges und Gräfin Mechthild mit ihrem Hofstaat dürfen natürlich auch die kleinen und großen Individualisten auf der Fasnet nicht fehlen. Denn auch sie freuen sich, nach zwei Jahren Mundschutz-Maskerade, mal wieder eine andere Verkleidung wählen zu dürfen.

Wolf und Fee auf dem Rottenburger Marktplatz

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Narrenzunft_Rottenburg

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