Wangerland, Watt und Weite

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August/September 2018

Ein Kommen und Gehen das Meer mit seinen Gezeiten, das Land so flach wie die Flunder im Aquarium des Nationalpark-Museums in Minsen und prickelnde Champagnerluft : Das Wangerland am Wattenmeer war mein Feriendomizil am Ende dieses (für mich zu heißen) Sommers. Ich, der Klimaflüchtling, habe gut zwei Wochen das Meer bei Schillig und Horumersiel  genießen dürfen, den Rhythmus von Ebbe und Flut, eine immer wiederkehrende Veränderlichkeit. Das flache Land an der Nordseeküste mit seiner Weite, den unglaublichen Wolkenformationen und den freundlichen Menschen war für mich Erholung pur.

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Auf der Aussichtsterrasse des Bodensees

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Foto: Karin Walz

20.Juli 2018

Wer am Bodensee Urlaub macht und dem Trubel am schwäbischen Meer jetzt im Sommer mal einen Tag entfliehen möchte, dem empfehle ich, einen Ausflug nach Heiligenberg zu machen.

Die Aussichtsterrasse des Bodensees wird Heiligenberg auch genannt – auf knapp 800 Metern Höhe ein atemberaubender Blick auf den See und die Alpen. Und wenn der See nebenverhangen ist, hat der Ausblick auf die Wolkendecke oben auf der sonnigen Höhe etwas Mystisches. Das elegante Renaissance-Schloss, das im Besitz des Fürstenhauses Fürstenberg ist, wäre im dreißigjährigen Krieg fast von der abziehenden französischen Besatzung gesprengt worden. Heute sieht man die Trikolore gehisst, wenn Besuch aus Frankreich im Schloss ist. Das Fürstenhaus hat dort übrigens seinen Sommersitz.

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Ein Ausflug in die Welt der Philosphie

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Im Sophi-Park Bad Liebenzell: Deutsch-französisches Würfelobjekt bei der Station Aufklärung: paix-Frieden, liberté-Freiheit, amour-Liebe und joie-Freude steht auf dem bunten kleinen Würfel.

Hör mal rein: Heimat-Verliebt Podcast Nr.45

Einer meiner Lieblingsorte ist der Sophi-Park in Bad Liebenzell. Beim Spaziergang durch die poetisch-philosophische Parklandschaft kann man nicht nur die Seele baumeln lassen, sondern auch den Geist stärken, die frische gesunde Schwarzwaldluft schnuppern und sich an Mineralquellen erfrischen. Denn klare Gedanken und klares Wasser seien gut für Körper, Geist und Seele, so ist es hier zu lesen.

A propos: Gleich am Anfang des Rundgangs durch 2500 Jahre Geistesgeschichte sprudelt neben dem Tor zur Antike in einer Quellschale echtes Liebenzeller Mineralwasser – analog zur rituellen Reinigung, die vor dem Eintritt des Apollo-Tempels von Delphi vollzogen wurde. DU BIST, NICHTS IM ÜBERMAß, ERKENNE DICH SELBST steht auf dem Torbogen, den die Besucherin und der Besucher selbst durchschreiten kann. Der Sophi-Park, der für soft Philosophy steht, besteht aus zehn Stationen: Antike, Mittelalter, Renaissance, Denker und Denkerinnen der Region (hier wird neben Hermann Hesse und der Sophi-Park Initiatorin und Autorin Ines Veith auch Udo Lindenberg, der in Calw Konzerte gab, genannt), Aufklärung, Moderne, Philosophen der Welt und Lebensweisheiten. Hundert Sprüche, Weisheiten und Reflexionen stehen auf leuchtenden Acrylschildern inmitten von Blumen und Stauden, die farblich jeweils einer Station zugeordnet sind (so blühen z.B. bei der Antike weiße Pflanzen, in der Aufklärung rote). Zwar nicht stark vertreten, dafür umso eindrucksvoller, sind die östlichen Traditionen: So ziert ein goldenes OM, das in einem Tempel in Indien geweiht und von einem Schwarzwälder Bildhauer in einen schönen Felsstein integriert wurde, den Weg durch die verschiedenen Stationen. „Im OM ruht die Welt“ steht als Zitat (besser: Mantra) des großen Yoga-Meisters und Arztes Swami Shivananda zu lesen.

Und weil nicht nur die Yoga-Philosophie und die europäische Philosophie, sondern auch das Spiel zu einem lebensbejahenden und humanistischen Weltbild gehört, ist auch eine Kinderstation und ein Boule-Platz eingerichtet. Am Ende des Spaziergangs kann man noch ins liebevoll renovierte badhaus 1897 an der Nagold sitzen und bei Kaffeespezialitäten und hausgemachtem Kuchen die Zeitreise nachklingen lassen. Übrigens: der Sophi-Park ist bislang noch einmalig in Deutschland und Europa!

Tipp: Der neue Roman von Ines Veith „Sophi-Park“, der in Tübingen, Capri und Bad Liebenzell spielt, ist im Herbst 2019 erschienen. Ines Veith ist die Autorin des Bestsellers „Die Frau vom Checkpoint Charlie“, der mit Veronica Verres verfilmt wurde.

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Schwäbisches Hanami am Schönbuchrand

18.April 2018

Wenn die Japaner jetzt Hanami, das Kirschblütenfest feiern, kann das schwäbische Streuobstparadies durchaus mithalten.

Zwischen Herrenberg und Tübingen befindet sich nämlich die größte zusammenhängende Streuobstwiesenlandschaft Europas. Auf dem Panoramaweg zwischen Mönchberg und Kayh am Schönbuchtrauf geht einem jetzt im Frühling beim Spazierengehen regelrecht das Herz auf: der Blick aufs Ammertal und die Schwäbische Alb –  und zu Füßen liegt ein Blütenmeer. 1,5 Millionen Obstbäume – Kirsche, Apfel, Zwetschge und Birne – sind es insgesamt auf einer Fläche von 26.000 Hektar.

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Unterwegs in der Bremer Neustadt

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12.4.2018

Bremen, da denkt man zuerst einmal an das Rathaus und die berühmte Rolandstatue auf dem Marktplatz, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt worden sind. Nur wenige Straßenbahnstationen weiter (oder zu Fuß etwa 20 Minuten) beginnt die Bremer Neustadt, in der ich einige Tage bei einer Freundin verbracht habe. Ein links der Weser gelegenes Viertel, in dem sich nicht nur die Hachez – Schokoladenfabrik befindet, sondern viele hübsche Häuser, die in den 30er Jahren gebaut worden sind.

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Ostern im Krokusblütenparadies

Zavelstein1.April 2018

Zavelstein, die kleinste Stadt Deutschlands, ist wegen ihrer blau blühenden wilden Krokusblüte weithin bekannt. Jetzt im Frühjahr und zu Ostern flanieren hier scharenweise Touristen aus nah und fern, um die ersten Frühlingsstrahlen auf der idyllischen Hochfläche oberhalb Bad Teinachs zu genießen.

Wie die Krokusse auf die Wiesen des Städtchens kamen, darüber ranken sich einige Legenden. Bei einer Führung habe ich erfahren, das es wahrscheinlich der weitgereiste herzogliche Diplomat Benjamin Buwinghausen von Wallmerode war, der Samen der Sorte crocus neglectus aus Italien mitgebracht hat.  Der Hof- und Kriegsrat des Herzogs Friedrich I. von Württemberg war ein geschätzter Staatsmann und vor allem in diplomatischer Mission in Frankreich unterwegs. Er bekam die Burg Zavelstein (ursprünglich eine Stauferburg) im Jahr 1616 als Lehen für seine Verdienste. Wahrscheinlich ließ er die Krokuspflanzen zunächst im Schlossgarten anpflanzen, von wo aus sie sich in die Bauerngärten und Wiesen ausbreiteten.

 

Entschleunigung

Klostergang
Kloster Bebenhausen bei Tübingen

27.03.2018

Bald ist Ostern und gerade ist Fastenzeit. Die knapp sieben Wochen zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag nutzen manche zu „Sieben Wochen ohne“: ohne Alkohol, ohne Schokolade, ohne Fleisch, ohne Smartphone. Ohne Smartphone? Nein, das habe ich mir ausgedacht. Bin zumindest noch niemandem begegnet, außer denen, die eh keins benutzen – und dazu gehöre ich. Und weil Fastenzeit ist, denke ich gerade ein bisschen über das nach, was sich reduzieren ließe. Auch für mich.

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Om Shanti im Allgäu

Allgaeu11.März 2018

Eisige, klirrende Kälte aus Sibirien hat Deutschland im Griff, minus 15 Grad. Ich fahre mit dem Zug ins Allgäu.

Ich schaue aus dem Fenster in die flache Landschaft vor Kempten. Das Feld ist schneeweiß. Da sehe ich in der kargen Landschaft einen Fuchs, der eine Pirouette in der Luft dreht und dann senkrecht mit der Schnauze nach unten in die Erde eintaucht. Es muss eine Maus sein oder ein Maulwurf. Die Menschen um mich herum starren wie gebannt auf ihre Mobiltelefone. Ich würde ihnen so gerne sagen, dass das Leben woanders spielt. 

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Mon amie Pascale

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2023 feierten Deutschland und Frankreich den 60. Jahrestag des Elysée-Vertrags, ein Datum, das die Freundschaft der ehemaligen Kriegsgegner besiegelte. Von meiner persönlichen Freundschaft zu Pascale erzähle ich in folgendem Beitrag:

Endlos säumen Brombeersträucher links und rechts den Halbhöhenweg zwischen Amplepuis und Cublize. Die warme Septembersonne gibt den schwarzen Beeren die letzte Süße. Pascale pflückt mir die Schönsten und reicht sie mir. Wir essen uns an den Brombeerbüschen satt, die uns fast verschwenderisch ihre Genüsslichkeiten anbieten. An diesem schönen Spätsommertag tun wir das, was wir am liebsten zusammen tun: durch die Landschaft schlendern, spazieren gehen. Nicht walken, nicht wandern, nicht joggen. Ohne Rucksack, ohne Proviant. Gerade haben wir Paulette, Pascales Mutter einen Besuch auf ihrer herrlichen Terrasse abgestattet. Nächstes Jahr kennen wir uns 40 Jahre. Und es ist immer wie gestern, wenn wir uns ein Jahr nicht gesehen haben.

Wir waren noch jung, als wir wochenlang im Land der Freundin blieben. Pascale während meines Studiums bei mir in Tübingen und ich während Pascales Ausbildung in Lyon. Jetzt sind es meist nur ein paar Tage, aber nicht weniger intensiv. In den 80 er Jahren hat Pascale mit mir in meinem Studentenzimmer gewohnt, sich dort auf ihre Prüfung als Krankenschwester vorbereitet, während ich in meine Vorlesungen an der Uni ging. Einmal ist meine Freundin in Tübingen zum Blutspenden gegangen, weil wir kein Geld mehr hatten und sie ihrer Schwester zum Geburtstag ein besonderes deutsches Souvenir mitbringen wollte: eine Schallplatte mit einer Wagneroper. Wie glücklich war sie, als sie die 40 Mark in den Händen hielt – das gab es in Frankreich nicht.

Abends sind wir tanzen gegangen, es gab immer einen Ort in dieser Studentenstadt, wo dies auch unter der Woche möglich war. Manchmal nahm ich sie an die Uni mit, denn ich studierte Pascales Muttersprache: Französisch. Ich sei schuld, dass sie nie Deutsch gelernt habe, meint sie oft augenzwinkernd auf die Frage von anderen, warum sie nach so langer Zeit immer noch kein Deutsch spreche. Es stimmt, ich profitierte von meiner französischen Freundin, konnte durch sie in eine andere Identität schlüpfen und das Ineinanderfließen der Wörter, die Melodie der Sätze und die schöne Nasalität der Sprache genießen. Ich vergaß dabei, sie in meinem Heimatland mit den einfachsten deutschen Floskeln und Sätzen vertraut zu machen. Manchmal übersetzte ich ein wenig, wenn sie mit anderen sprach, aber sie meisterte die Verständigung in Deutschland auch ohne mich par excellence mit ihrer Gestik, ihrer Mimik, ihrer Offenheit und ein paar Brocken Englisch. Pascale hat diese, wie man heute neudeutsch sagen würde, kommunikative und soziale Kompetenz, die eine Sprache und Kultur auf wunderbare Weise erweitert. Seit vielen Jahren arbeitet sie mit behinderten Menschen und hat die universelle Sprache des Herzens und der Gesten zur Perfektion entwickelt.

Einmal zauberte sie wie aus einer Schatzkiste eine Menge Wörter auf Deutsch hervor. Ich war baff und wusste gar nicht, woher sie die hatte, dass sie mehr sagen konnte als danke und Grüß Gott. Etwas beschämt war ich, als ich feststellte, dass nicht ich es war, die sie ihr beigebracht hatte. So nebenbei hatte sie sich einen kleinen Wortschatz erarbeitet, zu dem ich bislang keinen Zugang hatte. Wir waren ja immer auf unserer französischen Sprachinsel.

In den ersten Jahren unserer Freundschaft war es ein Hin – und Herreisen: In den Semesterferien bin zu Pascale nach  Lyon „gezogen“, wo ich mich nicht sattsehen konnte am römischen Erbe der Zweiflüssestadt, den eleganten Seidentüchern in den Vitrinen der Geschäfte, und mich nicht sattessen konnte am leckeren Kartoffelgratin, dem Kopfsalat mit der vorzüglichen Dijonsenfsauce, dem Couscous der kleinen nordafrikanischen Restaurants und den duftenden Croissants aus den Bäckereien, die ich wie die Franzosen in den Bol meines Café au lait tunkte. Wir haben stundenlang auf die französisch-brasilianischen Rhythmen von Bernard Lavilliers getanzt. Selbst wenn wir Paulette und Pacales Vater in Amplepuis besuchten, lief unsere Lieblingsmusik in voller Dröhnung vom oberen in den unteren Stock und wir sangen laut mit.

Kennengelernt habe ich Pascale über meinen Bruder. Bei einem Partnerschaftstreffen in Gültstein, zu dem sie mit der Musikkapelle aus Amplepuis als Klarinettistin angereist war. Mein Bruder spielte Saxophon im Musikverein der Partnergemeinde und freundete sich mit der temperamentvollen Französin schnell an. Von ihr ermuntert stieg der damals 17-Jährige am Ende des deutsch-französischen Wochenendes in den Bus Richtung Frankreich und verbrachte eine Woche in Pascales Familie. Nicht nur unsere Eltern, auch der damalige Bürgermeister von Amplepuis waren, deutsch-französische Freundschaft hin oder her, hell entsetzt. Dafür wurde mein Bruder in Pascales Familie wohlwollend aufgenommen und Mamie Paulette erzählt heute noch gerne von ihrer Überraschung, plötzlich einen hochgewachsenen blonden Jüngling mit blauen Augen vor ihrer Tür zu sehen. Ich selbst erfuhr von der Geschichte erst einige Wochen später und war neugierig geworden, Pascale im darauffolgenden Jahr bei einem neuerlichen Besuch im Wohnort meiner Eltern kennenzulernen. So wurden wir Freundinnen und die zaghafte erste Verbindung zu meinem zwei Jahre jüngeren Bruder geriet bald in Vergessenheit.

Fünf Jahre später wurde aus Pascale Ravit dann Pascale Casado, denn sie heiratete Tony, einen Franzosen mit spanischen Wurzeln, mit dem sie auch heute noch glücklich durchs Leben geht und drei Kinder hat. Es wurde ausgiebig am lac des sapins – dem „Tannensee“ in Cublize gefeiert, ein beliebtes Ausflugsziel der Städter aus Lyon. Die lokale Presse berichtete ausgiebig von dieser Hochzeit, denn am selben Wochenende gaben sich auch eine andere Französin aus Amplepuis und ein junger Mann aus Gültstein in der katholischen Kirche das Ja-Wort. So wurde das beschauliche französische Städtchen zum Schauplatz einer französisch-spanischen und deutsch-französischen Doppelhochzeit, mit Gästen aus ganz Frankreich, Spanien und Deutschland.

Ich hatte Sorge, dass nun unsere Wege auseinanderlaufen würden, sie, die verheiratete, voll berufstätige Frau, die sicher bald Kinder bekommen und trotzdem voll weiterarbeiten würde. Ich, die Studentin, die ihr Studium noch nicht abgeschlossen hatte und mit 25 Jahren in einer komplett anderen Lebenssituation war. Und genauso kam es: Pascale bekam nacheinander Arnaud, Adrien und Laura, arbeitete wie all diese Super-Französinnen nach dem Mutterschutz bald wieder Vollzeit. Wir hatten uns aus den Augen verloren. Als sie mir einen Brief nach Lauras Geburt an die Adresse meiner Eltern schrieb, um mich zu fragen, ob ich Patentante für Laura werden wollte, lebte ich in Frankfurt und der Brief wurde aufgrund orthografischer Fehler nicht zugestellt. Als Laura zwei Jahre alt war, wollte ich Pascale wiedersehen und ihre Kinderschar kennenlernen. Die Familie wohnte in der Zwischenzeit in einem Vorort von Lyon und ich war als Journalistin eine Woche im burgundischen Montbéliard unterwegs, um eine Reportage über die ehemalige deutsche Grafschaft Mömpelgard und die protestantische Minderheit zu machen. Mit meinem Polo fuhr ich die Route Nationale gen Süden und wusste, dass nun ein neuer Abschnitt für unsere Freundschaft beginnen sollte. Ich stellte erleichtert fest: meine Freundin war als Mutter dieselbe geblieben, die ich gut zehn Jahre zuvor kennengelernt hatte.

Seitdem tauche ich immer wieder ein in neue Folgen des französischen Urlaubs- und Lebensgefühls, das ich schon die Jahre zuvor kennengelernt hatte. Am lac des sapins, wo Pascale und Tony geheiratet haben, gehe ich gerne schwimmen – oder mit Pascale spazieren. Auf der Terasse in Cublize unweit des Sees werden selbstgemachte Liköre, Salat aus dem Garten, Terrinen, Quiches, Steaks, Gazpacho und Weine aus dem Beaujolais serviert. Zu besonderen Anlässen gibt es für deutsche Gäste wie mich Froschschenkel. Bei einer dieser Gelegenheiten beging ich den Fauxpas, einen Froschschenkel nur kurz anzuknabbern. Es war mir peinlich, aber ich konnte das

angeblich wie Hühnchen schmeckende Amphibienfleisch nicht essen. Aber auch Tony erlaubt sich, mir in Deutschland zu sagen, dass er meinen Kaffee nicht trinken könne.
So ist das unter Freunden, man darf direkt sein.

Inzwischen sehen wir uns ein bis zwei Mal im Jahr, entweder bei den intensiven, warmherzigen Partnerschaftstreffen mit viel Musik und Tanz in Gültstein und Amplepuis, wo Pascale immer noch im Orchester ihre Klarinette spielt oder bei unseren privaten Besuchen während der Sommerferien. Pascale Kinder sind nun auch mit meiner Tochter befreundet, sprechen mit ihr aber englisch und deutsch. Geheiratet hat noch niemand von den dreien, denn die Zeiten ändern sich auch in Frankreich. Aber trotzdem werden Ende diesen Jahres zwei paar Hausschuhe mehr an der Tür stehen, wie man in Frankreich sagt. Dann werden Arnaud und Laura meine Freundin Pascale zur zweifachen Großmutter machen.

(Dieser Text erhielt 2017 beim Schreibwettbewerb des Kreisseniorenrats Böblingen
zum Thema „Freundschaft“ den Sonderpreis der Tageszeitung Gäubote).

Anmerkung Herbst 2024: In der Zwischenzeit hat Pascale einen Enkel und vier Enkelinnen im Alter von 0 und 7 Jahren. Ihre Tochter Laura (Krankenschwester wie sie) und Schwiegertochter Mathilde (promovierte Juristin) arbeiten Vollzeit und setzen die Tradition der Super-Französinnen fort. 

Und hier noch etwas über die schöne Gegend des Beaujolais Vert:

Ein Wintertag im Beaujolais Vert